Die Nordküste

Etwas treibt mich dazu, meine Erlebnisse niederzuschreiben, hat die verfluchte Kreatur Einfluss auf meine Handlungen? Wie dem auch sei, ich führe wieder Tagebuch; wie ein trotteliges Kind.

13. Tarsak
Nach einer weiteren Nacht geplagt von Albträumen erwache ich schweißgebadet in meinem Bett. Wie ich es Tag für Tag schaffe, meine Zauber zu sprechen weiß ich nicht, mein Geist scheint widerstandsfähiger zu sein als ich dachte, denke oder gedacht – wie auch immer.
Ein Neuankömmling traf heute auf einem Elfenschoner ein, typischer Muskelkotzbrocken Marke Hinterwäldler, was man auch seiner Sprache entnehmen kann. Fragte zweitgrößten Elf, den ich je sah, wie die Dinge denn in Niewinter laufen. Gottseidank hat sich sein Einfluss noch nicht so weit ausgedehnt. Noch nicht. Oder war alles nur ein böser Traum?
Abends besuchte ich die Taverne auf meiner täglichen Suche nach Ablenkung und war gerade dabei meinen Verstand mit dem 3. Maß zu betäuben als sich eine Nebelschwade manifestierte. Entgegen meiner bisherigen Erfahrung mit Nebelschwaden entstieg dieser eine Menschenfrau, welche ebenso verdutzt aussah wie die Zwerge, auf deren Tisch sie stand.
Sie gab sich als Klerikerin des Shoungokul oder solch einer Abartigkeit zu erkennen und behauptete, diese Art des Reisens sei ganz normal für diesen Stand. Indiras, der Barde, welchen ich verdächtige Pheeps vergiften zu wollen, bestätigte diese Geschichte. Also ist diese neue Klerikerin wohl auch aus, mich um den Verstand zu bringen, zu berauben oder mich einfach nur zu töten. Oder Pheeps.

14. Tarsak
Aufgestanden, Kater, Ratte, Tavere, Bier. Malakavalas, Indiras, Selina und ich gingen nach dem Frühstück zu Frostmähne; der Mann ist in Ordnung, zu gut für diese primitive Gegend. Er sah Malkavalas nur seltsam an anstatt ihn vierteilen zu lassen, als dieser ihn doch sehr respektlos ansprach. Ich verzettle mich schon wieder in Kleinigkeiten; jedenfalls sandte uns Frostmähne nach Cerns Lichtung, um nachzusehen, was die erwarteten Holzkarawane aufhielt.
Die Antwort war unschwer zu erraten: Bier. Wir trafen die Karawanenführer 6 Stunden und 8 Goblins weiter nördlich in einer festungsähnlichen Taverne Namens Wanderers Rast. Nachdem Indiras den Anwesenden ein Gedicht über die Schönheit des lila Lotus, welcher sich am Wegesrand seines Daseins erfreut, vorgetragen hatte erfuhren wir von diesen einfältigen Handwerkern so einiges:

  1. Sie sind inkompetent
  2. Sie stinken
  3. Sie werden von Goblins und Wölfen geplagt
  4. Eine Familie, die sogennanten Bergköhlers, wurde angeblich überfallen…
  5. was nicht weiter verwunderlich ist, da sogar ihre beste Trapperin überfallen wurde
  6. SIE STINKEN

15. Tarsak
Nach einem abwechslungsreichen Frühstück, Bier – kein Wunder, dass hier alle irgendwie seltsam sind – machten wir uns auf nach Cerns Lichtung. Wie erwartet fanden wir Holzköpfe in einer Holzfällersiedlung in Holzhäusern umringt von einer Holzpalisade umringt von hölzernen Bäumen. Habe ein kleines Mädchen gefragt, wer denn der Dorfschulze war. Sie zeigte sich unkooperativ; einen Einschüchterungsversuch und einige Tränen später trat ein dicker, alter Mann vor, der sogar einen Namen hatte. Er war ein Nachfahre des Cerns, der diese Lichtung gründete; oder die Siedlung darin; wieauchimmer
Er bestätigte die Geschichte über die Bergköhlers und die Trapperin und erzählte uns von der Dorfhexe, Granny. Wir fassten den Entschluss, uns erst das Haus der Bergköhlers anzusehen, wohin uns der Führer Arno führte. Obwohl seine Eltern ihn mit diesem Namen bedachten, war er uns eine große Orientierungshilfe.
Als wir am Haus der Köhlers ankamen fanden wir die Eingangstür herausgerissen, das Haus verlassen, diverse Wolfsspuren, eine Goblinspur und den Kohlenspeicher weit geöffnet vor. Garret, welchen ich an dieser Stelle zum ersten mal seit Tagen sah – SCHAU ÖFTER NACH UNTEN – schlich sich an und lauschte. Er gab uns Zeichen und wir nahmen Bereitschaftsstellung ein. Wir waren auf alles gefasst: Oger, Drachen, Goblins, Wölfe, Karpfen, aber nicht auf das, was wir im Speicher vorfanden: Dunkelheit.
Nach einer Fackelzählung – Null – führte Indiras irgendwelche Verrenkungen durch und beschwörte einige Lichteffekte in der Hütte hervor. Im Schutze der Dunkelheit war dort eine furchtbare Kreatur verborgen, die sich nach eingehender Studien als kleine Tochter der Bergkhöhlers entpuppte. Garret, welcher besser als Lehrer für besonders naive Paladine geeignet wäre, überzeugte die anderen, dass wir die Kleine besser mitnahmen; um Informationen zu gewinnen.
Die Strapazen – Weinen, Quengeln, der Geruch von Kindern – hatten sich gelohnt, Janna wusste wirklich einiges zu berichten: Ihre Familie wurde von Goblins und Wölfen, welche Goblins waren, und Goblins, welche Wölfe waren, überfallen und verschleppt.
DORFBEWOHNER NICHT ANFASSEN!
Die Blödheit der Dorfbewohner schien ansteckend zu sein: Meine bedauernswerten Kameraden schenkten den Hirngespinsten des Mädchens Glauben und kamen zum Entschluss ein Wergoblin(!) müsste sich in der Gegend befinden; am nächsten Morgen planten wir, die Dorfhexe um Rat zu fragen und endlich die Göre bei ihr abzuliefern.

16. Tarsak
Die Hexe, eine nette alte Dame, welche Janna freudig aufnahm und uns Tee anbot, den meine naiven Begleiter sogar tranken, wusste viel, sprach wenig und sagte noch weniger: Sie bestätigte die wahnwitzige Idee meiner Gefährten, dass ein Wergoblin die lokalen Wölfe und Worge kontrolliere. Auch wusste sie von einem Wolfsbau im Westen zu berichten. Die nette, alte Dame, welche Worge in die Flucht schlägt und allein mitten im Wald wohnt ist vollkommen unverdächtig. Einzig Malkakas schien ihr auch misstrauisch gegenüber zu sein. Idioten.
Wir besuchten danach erneut das Anwesen der Bergköhlers und schlugen uns durch den Wald auf der Suche nach dem Wolfsbau. Wir fanden ihn zu unserer Überraschung nicht hell erleuchtet und nach einer erneuten Fackelzählung – Null – gingen wir zurück nach Cerns Lichtung, um Fackeln zu kaufen, zu trinken und zu schlafen.

17. Tarsak
Mein Geruch passt sich allmählich dem der Einwohner an, Pheeps sieht etwas besorgt aus. Ich würde zu gern wissen, was er denkt.
Mit Fackeln bewaffnet gingen wir hinab in den Wolfsbau und stießen nach kurzem Fußmarsch auf einen gemauerten Gang; in der einen Richtung blockierte ein Erdrutsch den Weg, in der anderen jedoch mündete der Gang in eine riesige Kammer voll mit Leichen, sonderbaren geometrischen Gebilden und zwei Worgen. Nach kurzem Kampf – dieser Malakavalas kämfpt hervorragend – untersuchten wir das Gemäuer und fanden nichts. Die geometrischen Anordnungen erinnerten mich irgendwie an die Skizzen auf Magierschriftrollen, aber mir erschloss sich der tiefere Sinn des Ganzen nicht so recht. Da unsere Heilzauber aufgebraucht waren – SELINA VERTRAUENSWÜRDIG? – gingen wir zum Rasten in die Siedlung zurück.

18. Tarsak
Weiter erkundeten wir das Gebiet und folgten heute den Spuren am Wolfsbau Richtung Westen. Wir kamen zu einer riesigen Höhle, direkt unter einem alten, bösen Baum. Angeschlossen an die Höhle fanden wir ein Goblincamp. Nach kurzer Einschätzung der Lage gingen wir zurück nach Cerns Lichtung und teilten dem Dorfschulzen unsere Erkenntnisse mit. Dieser beschloss alle umliegenden Hütten zu evakuieren und erzählte uns von einem verhexten Turm, an dem sonderbare Statuen aller möglichen Wildtiere und neuerdings auch eines Goblins herumstanden und der früher Gnommagiern als Behausung diente. Wir beschlossen diesen Turm morgen aufzusuchen und auf dem Weg die Familie der Thalköhlers zu besuchen.

19. Tarsak
Arno führte uns ohne Umschweife zum Haus der Thalköhlers, wo sich unser Verdacht auf Versteinerungen erhärtete. Wir erzähltem dem Familienvater auch von der Evakuierungsorder des Schulzen, doch dieser schoss all unsere Ratschläge in den Wind. Zwei Ghost Sounds später begann die Familie ihr Hab und Gut zusammenzusuchen. Angst ist der beste Motivator.
Der Turm war überraschend unpraktisch, da er keinen Eingang aufwies; einzig in einigen Metern Höhe fanden sich einige Öffnungen, zu klein für einen Menschen, aber groß genug für Cockatrice, die den Turm bewohnten und offenbar ein Nest darin hatten. Versteinerungen.
Nachdem wir etwa eine Stunde verzweifelt versuchten, eine Öffnung am Turm zu finden, versuchte ich es einmal mit einem Detect Magic. Ich konnte eine Stelle am Turm feststellen, an der ein Illusionszauber gewirkt worden war. Die anderen glaubten mir allerdings nicht wirklich, ich selbst bin mir auch nicht sicher, obwohl Selina mir zugenickt hat. Denke ich zumindest.
Wir beschlossen, den Versuch zu wagen, einen Cockatrice zu entführen. Nachdem wir nur knapp dem Statuenschicksal entronnen waren, stopften wir den bewusstlosen Körper unseres neuen Gefährten in einen Sack und gingen zurück nach Cerns Lichtung, um zu übernachten.

20. Tarsak
Malkalkas, Selina, Indiras, Arno, Göbbels und ich machten uns also erneut zur großen Worghöhle auf. Wir setzten unseren Plan in die Tat um: Wir versteckten uns und Garret – NACH UNTEN SEHEN – platzierte schleichenderweise den Sack mit Göbbels am Waldrand. Nach einigen “Go-Go”s kamen zwei Worge heran und schleiften den sonderbaren Sack zurück ins Lager. Wir waren alle gespannt, was nun passieren würde, doch das sich uns botende Bild kann ich kaum in Worte fassen.
Göbbels sprang wie besprochen kampfbereit aus dem Sack und attackierte den verdutzten Goblin, welcher den Sack geöffnet hatte während alle anderen Goblins und die Worge erschrocken zurückwichen. Der erste Schnabelhieb ging zwar daneben, der zweite Traf jedoch und versteinerte den unglücklichen Goblin augenblicklich. Danach versuchte Göbbels das Manöver wie besprochen auch bei einem Worg, dieser wich jedoch geschickt aus und Göbbels beschloss kurzerhand unplanmäßig, dass diese Worge nicht so interessant waren und zog sich auf den Baum über der Höhle zurück. Wir zogen uns unter lauten “Go-Go”-Rufen zurück. Hatten wir unser Ziel zwar nicht erreicht, so war das doch die beste Unterhaltung seit einigen Zehntagen. Wir schlugen uns nach Cerns Lichtung durch und schliefen ein letztes Mal am Boden des Gemeinschaftsraums.

21. Tarsak
Unser Weg führte uns wieder an der Taverne Wanderers rast vorbei zurück nach Nordheim. Frostmähne zeigte sich besorgt ob der Entwicklungen im Norden und bedachte uns mit einigen Goldmünzen.
Lärm führte uns zu den Docks, wo sich eine Rote Magierin aus Thai mit einem Magier aus Halrua stritt. Offensichtlich haben beide vor Geschäfte zu eröffnen und machen sich Sorgen wegen der gegenseitigen Konkurrenz.
Einige Immigranten aus Niewinter berichten, dass eine seltsame Seuche dort umgeht und viele versuchen von dort zu fliehen. Das Übel ist mir also gefolgt; das Meer wird es jedoch nicht überwinden können, hier bin ich sicher. Denke ich. Hoffentlich. Ich geh lieber noch ein Bier trinken bevor ich mich zum Schlafen lege.